EU reguliert Un-hosted Wallets mit Travel Rule

Die Entscheidungsträger der EU befassen sich seit Monaten mit zwei wesentlichen Themen zur Regulierung der Crypto-Märkte: Zum einen MiCa, bei der es um das Verbot des Proof-of-Work Consensus ging, das bereits im März abgewiesen wurde – zum anderen die Anwendung der Travel Rule (TFR) auf den Crypto Asset Transfer zwischen im Wesentlichen Exchanges/Börsen (sog. Crypto Asset Service Provider, kurz CASP) sowie CASPs und un-hosted Wallets und un-hosted Wallets untereinander.

Un-hosted Wallets sind Wallets, auf die Blockchain Nutzer direkten Zugriff haben, da sie über den Private Key verfügen.

Bzgl. TFR hat die EU nun eine Einigung für die Regulierung erzielt. Diese sog. „Travel Rule“ wird aus der Regulierung traditioneller Finanzmärkte auf die Crypto-Märkte übertragen und verpflichtet CASPs zur Erfassung, Übertragung und Speicherung der Daten von Sender und Empfänger bei bestimmten Transaktionen. Weiterhin müssen CASPs diese Daten den Behörden bereitstellen, wenn Verdachtsmomente von Geldwäsche oder Terrorismus-Finanzierung bestehen.

Die TFR Regulierung umfasst im Wesentlichen folgende Entscheidungen:

  • Bei Transaktionen zwischen CASPs muss TFR ab dem ersten Euro angewendet werden. Auch werden risiko-basierte Geldwäsche (AML) Metriken genutzt.
  • Bei Transaktionen zwischen CASPs und un-hosted Wallets ist TFR anzuwenden, wenn die un-hosted Wallet dem CASP Kunden gehört und die transferierten digitalen Assets einen Wert über 1.000 Euro haben.
  • Sofern der CASP Nutzer mehr als 1.000 Euro von seiner [an seine] un-hosted Wallet empfängt [sendet], muss der CASP verifizieren, dass die un-hosted Wallet von seinem Nutzer kontrolliert wird

Für die meisten Wallets wird es mit dieser Regulierung vermutlich keine verpflichtende Verifikation geben.

Dennoch ist die gesamte Art und Weise, wie versucht wird, Regulierungsmechanismen traditioneller Finanzmärkte auf zentralisierte CASPs zu übertragen durchaus bemerkenswert – fragt man sich doch, ob sich die Entscheidungsträger für die wesentlichen Ideen, die der Innovation von Blockchain / DLTs zugrunde liegen, wie „decentralized trust“, „banking the unbanked“, „democratized banking“ etc. überhaupt ansatzweise interessieren. Derartige Regulierung wird meiner Meinung nach nämlich dazu führen, dass neue Nutzer, die direkt an den Crypto-Märkten teilnehmen möchten, dies noch stärker über CASPs tun und ihre Assets dann auch dort in Verwahrung lassen – „not your keys, not your coins“ spielt wohl offensichtlich keine Rolle.

Und: ich bin gespannt, wie die auferlegte Verifikation von un-hosted Wallets technisch umgesetzt werden soll … den Gedanken hatte offensichtlich niemand bisher berücksichtigt.